Jul 13 2011

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Marius

Libyen: Uranmunition zum Schutz der Zivilbevölkerung?

Die Streitkräfte der NATO setzen bei ihrem Einsatz in Libyen offenbar auch Uranmunition ein. Die hohe Durchschlagskraft der Bomben steht dabei in keinem Verhältnis zu ihrem langlebigen Erbe – Radioaktivität für die Zivilbevölkerung, zu deren Schutz sich die Bündnispartner verpflichtet hatten.

Bereits in den vergangenen Wochen bestätigten Sprecher der NATO „zivile Opfer“ durch versehentlich attackierte Wohngebäude oder gar Krankenhäuser. Dass der selbstauferlegte Schutz der Zivilbevölkerung nun jedoch offen verkannt wird, ist eine andere Dimension.

21 Armeen weltweit setzen heute nachweislich Uranmunition ein, darunter die NATO-Bündnispartner USA, Frankreich und Großbritannien, die bereits seit März mit dem Segen der Vereinten Nationen durch eine militärische Intervention den libyschen Luftraum sichern und so ein Vordringen der oppositionellen Bewegung gegen Machthaber Gaddafi durchsetzen wollen. Dabei betont das UN-Mandat den vorrangigen Schutz der libyschen Zivilbevölkerung.

Nun jedoch mehren sich Berichte, nach denen Flugzeuge der NATO unter Berufung auf eine Meldung der Nicht-Regierungsorganisation Stop the War Coalition sogenannte Uranmunition (Depleted Uranium, DU) gegen Einrichtungen in Libyen eingesetzt haben sollen. Bereits in den ersten 24 Stunden nach Beginn des UN-Mandats hätten Frankreich, Großbritannien und die USA mit Uransprengköpfen bestückte Drohnen von unterschiedlichen Militärstützpunkten aus gen Libyen geschickt. Eine Stellungnahme aus Washington besagt, man sei sich des Einsatzes von Uranmunition “nicht bewusst”, während ein Sprecher der britischen Streitkräfte die Anschuldigungen zurückwies.

US-Bomber vom Typ B-2 hätten innerhalb weniger Tage 45 je knapp 900 Kilogramm schwere, mit Uranium versehene Sprengladungen auf mehrere libysche Städte fallen lassen.

Diese Einschätzung teilt auch Christoph Hörstel, Journalist, Autor und Gastdozent am Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, der bereits als Politikberater für die deutschen ISAF-Truppen der Bundeswehr tätig war.

Hörstel bestätigt die enorme Durchschlagskraft mit Uran bestückter Sprengkörper, spricht jedoch gleichzeitig von einer “dreckigen Gewohnheit”, da vor allem die USA bereits in der Vergangenheit Uranmunition einsetzten, beispielsweise im Golfkrieg oder auch im Kosovo.

Diese Waffe setzen die NATO-Kräfte nun offenbar auch in Libyen ein, um die nachwievor vorhandene Gegenwehr der Gaddafi-Truppen zu schwächen. Vor allem gegen Panzer, aber auch bei besonders verstärkten Gebäuden zeigen Urangeschosse erhöhte Wirksamkeit.

Aus vergangenen Beispielen ist jedoch auch erkenntlich, welch schädliche Strahlenlast die Munition noch auf Jahre in den bombardierten Gebieten hinterlässt. Messungen von Ärzte ohne Grenzen ergaben, dass in Regionen, in denen Uranmunition zum Einsatz kam, deutlich erhöhte Fehlgeburtenraten auftreten.

Sowohl die NATO und die USA als auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestreiten einen derartigen Zusammenhang und dementieren etwaige Gesundheitsrisiken durch Uranmunition.

 

Interview mit Waffenexperte Christoph Hörstel

AG Friedensforschung: Uranmunition – Verstrahlt für die Ewigkeit

Hintergrundbericht im Spiegel über  den weltweiten Einsatz von Uranmunition: “Freiwild für die Nato”

 

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2 Kommentare

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