Deutsch-malawische Independent-Doku auf Eufrika.org

Saturday 11th, October 2014 / 16:29 Written by

 

Stellen bald ihren Film auf Eufrika.org vor: Manuel Rees und Chipiliro Masina

Entspannte Kultur-Vermittler: Manuel Rees (links im Bild) und Chipiliro Masina

Der junge Filmemacher Manuel Rees aus Deutschland und der junge Elektroingenieur Chipiliro Masina aus Malawi haben gemeinsam einen Dokumentarfilm produziert, den wir hiermit gerne auf Eufrika.org präsentieren [Interview+Film].

Der deutsche Freiwilligendienst “weltwärts” wurde oft für seinen “entwicklungspolitischen” Anspruch kritisiert. Aber Manuel Rees wäre ohne diesen wohl kaum nach Malawi gekommen und wenn, dann nur als Tourist. Im Eufrika-Interview sprach er von sich selbst, wenn es um “Entwicklung” ging und machte damit deutlich: Ein großer Wert, der “weltwärts” – bei aller berechtigten Kritik – zugesprochen werden kann, liegt in den so ermöglichten intensiven Lernprozessen deutscher Jugendlicher. Die Zeit in Malawi inspirierte Rees denn auch zu seinem ersten Dokumentarfilm. Darin begleitet er seinen Freund Chipiliro Masina ein Stück durch dessen Leben. Rees hinter der Kamera und Masina davor, führen die beiden auf ganz natürliche Weise, mit einem interessanten Mix der Perspektiven, den deutschen Zuschauer an die malawische Kultur heran. Diese unprätentiöse Art macht den Film [siehe Artikel-Ende] sympathisch und sehenswert zugleich.

Drei Fragen an Manuel Rees

Ein Teil des Films entstand auf dem Malawi-See, genauer auf der Ilala, die Fähre auf der Masina arbeitet und die Lebenswichtig ist für viele Inselbewohner.

Ein Teil des Films entstand auf dem Malawi-See, genauer auf der Ilala, der Fähre auf der Masina arbeitet und die für viele Inselbewohner lebenswichtig ist .

Eufrika.org: Wie würdest du einem blinden Menschen beschreiben, was für Eindrücke du mit der Kamera festgehalten hast, die nicht unbedingt zur Sprache kommen?

M.R.: Mein Film soll das malawische Leben, aus malawischer Sicht, einem deutschen Publikum näher bringen. Dabei wollte ich mich nicht darauf beschränken, die Unterschiede zwischen dem Leben in Malawi und dem Leben in Deutschland darzustellen, sondern zeigen, dass hinter diesem Alltag, der auf den ersten Blick so fremd wirkt, ähnliche Wünsche und Gedanken die Menschen beschäftigen wie überall. In Deutschland kennt man entweder das Bild von hungernden Kindern oder abenteuerlichen Eigenheiten des Kontinents, jeweils aus deutscher Sicht kommentiert. Natürlich gibt es viel Not, und das muss auch ernst genommen werden, aber in den meisten Teilen des Kontinents leben die Menschen ihren normalen Alltag. Ich möchte vor allem vermitteln, dass hinter der stigmatisierten und romantisierten Vorstellung von Afrika, Menschen ihr Leben führen. Chipiliro nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch das heutige Malawi, dass sich gerade im Umbruch befindet. Während in den Dörfern die alten Traditionen noch eine maßgebliche Rolle spielen und die Menschen von der Hand in den Mund leben, regiert in den Städten zunehmend das Geld und ein westlicheres Denken. Chipiliro lebt in beiden Welten, er verbringt viel Zeit in den Dörfern, während seine Verwandtschaft in der Hauptstadt wohnt. Somit spiegelte er in meinen Augen in gewisser Weise die malawische Gesellschaft wieder.

Rees erster Dokumentarfilm wäre so nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung der Ilala-Crew sowie die Offenheit von Masina und seiner Familie

Rees erster Dokumentarfilm wäre so nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung der Ilala-Crew sowie die Offenheit von Masina und seiner Familie

Eufrika.org: Deine Entsendeorganisation hat ihre Freiwilligen intensiv auf den Umgang mit Bildern aus ihrem Jahr vorbereitet, insbesondere was das Reproduzieren von rassistischen Klischees angeht. Wie hat dich das bei deiner Arbeit beeinflusst?

M.R: Diese Vorbereitung hat mich in der Tat stark beeinflusst – während der Dreharbeiten und besonders auch während dem Schneiden des Films. Praktisch jede Situation, die ich aus verschiedenen Bildern zusammenfügte und mit einem Kommentar versah, untersuchte ich gleichzeitig auf das Reproduzieren von rassistischen Klischees. Gleichzeitig war mir sehr wichtig meinen Film „auf Augenhöhe“ zu drehen, ohne eine eurozentrische Sichtweise, und die malawische Kultur ohne einen erhobenen Zeigefinger zu beschreiben. Ich habe mich außerdem bemüht meine Szenen zu kontextualisieren, da ich mich immer noch gut an den Satz „Vorurteile sind nicht zwingend falsch, aber sie sind oftmals eben nur ein kleiner Teil der Wirklichkeit“ aus einem unserer Seminare erinnerte. Ich möchte mir natürlich keinesfalls anmaßen einen politisch vollkommen korrekten Film gedreht zu haben, es gibt sicherlich Experten auf diesem Gebiet, die noch das eine oder andere an meinem Film auszusetzen hätten. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass ich mit meinen Film durchaus zum Abbau von internationalen Vorurteilen und einer besseren Völkerverständigung beigetragen habe. Hinter den verschiedenen Facetten von Gestalt und Umgebung soll der Mensch in diesem Film als Weltbürger sichtbar werden.

Boots-Crew beim Mittagessen; Die Ilala fährt seit 1951 und ist benannt nach einer Region in Sambia, wo der schottische Missionar David Livingstone einst begraben lag.

Boots-Crew beim Mittagessen; Die Ilala fährt seit 1951 und ist benannt nach einer Region in Sambia, wo der schottische Missionar David Livingstone einst begraben lag.

Eufrika.org: Dein Film zeigt das einzige Passagierschiff Malawis, beleuchtet dabei die Bedeutung für die Inselbewohner und erzählt zudem die Geschichte von der Verlobung eines Crew-Mitglieds. Wie kam es dazu und wieso hast du diese Geschichten für erzählenswert befunden, was ist das Besondere für dich?

M.R.: Chipiliro, den Protagonisten des Films, lernte ich durch Zufall während einer Überfahrt auf der Ilala Fähre kennen. Wir unterhielten uns viel während der dreitägigen Überfahrt und ich erzählte ihm von meinem Vorhaben, in Malawi einen Dokumentarfilm zu drehen. Er war sofort begeistert von der Idee und wir beschlossen das Projekt gemeinsam umzusetzen. Es war ein glücklicher Zufall, dass er ein Angestellter auf der Fähre war und wir dort filmen konnten. Das Besondere war für mich, dass die Ilala, ein Schiff mit einer langen Geschichte, für viele Malawier so wichtig ist. Es ist das einzige Passagierschiff auf dem Malawi See, an den immerhin drei Staaten angrenzen. Gleichzeitig symbolisiert das Schiff eine Reise durch das Land, auf die der Film den Zuschauer mit nimmt. Chipiliro als Teil der Besatzung führt diese Reise bis ins Landesinnere, in die Hauptstadt, fort, womit er gleichzeitig die Gegensätze zwischen dem Stadt- und Landleben aufzeigt. Der Zuschauer wird auf diese Weise durch viele Teile des Landes geführt und bekommt so einen genauen Überblick.

“Chipiliro, die Fähre und das Leben – Dokumentarfilm aus Malawi”:

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