Malawis Flüchtlingsrouten werden immer gefährlicher

Friday 25th, January 2013 / 19:13 Written by

 

Der schöne Schein des Malawi-Sees kann trügerisch sein: Stürme stellen ein großes Risiko auf der Überfahrt dar. © Frank Douwes

Der schöne Schein des Malawi-Sees kann trügerisch sein: Stürme stellen ein großes Risiko auf der Überfahrt dar. © Frank Douwes

Malawi gilt als beliebtes Transitland für Flüchtlinge auf dem Weg nach Südafrika. Nachdem im vergangenen Jahr 49 Flüchtlinge aus Äthiopien bei der Überquerung des Malawi-Sees ertranken, leitete die Regierung strengere Kontrollmaßnahmen ein. Seither weichen die Schlepperbanden unter Mithilfe korrupter Polizeieinheiten auf immer gefährlichere Routen aus.

Eine Gruppe von Flüchtlingen aus Äthiopien versuchte am 20. Juni vergangenen Jahres in einem Boot vom Norden des Malawi-Sees (Lake Nyasa) in den Süden zu gelangen, vermutlich mit dem Ziel, nach Südafrika zu immigrieren. Das überladene Boot soll bereits nach wenigen Minuten gesunken sein, 49 Menschen kamen dabei ums Leben.

Nach Aussage eines angeblichen Mitglieds einer Schlepperband, welche nach eigener Aussage vornehmlich Flüchtlinge vom Horn von Afrika durch Malawi in Richtung Südafrika schmuggelt, werde in bestimmten Regionen mit Teilen der Polizei kooperiert. Diese gebe den Schleppern Hinweise auf „sichere“ Routen.

Das Risiko, dass auf diesen Routen allerdings auch Polizisten kontrollieren, die nicht Teil des Syndikates sind, sei zunehmend höher geworden. Der Weg über den See erfreue sich deshalb wachsender Beliebtheit.

© Stepmap

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Dieser Trend hin zu immer gefährlicheren und aufwendigeren Routen scheint sich nun fortzusetzen. Als Reaktion auf das Unglück vom Juni hat Malawis Präsidentin Joyce Banda den Druck auf die Polizei erhöht. Drei Beamte, die im Verdacht stehen, das Unglück mitverschuldet zu haben, wurden verhaftet. Weitere wurden suspendiert oder in andere Regionen versetzt.

Nach Aussagen der Polizei aus einer Region nahe der nördlichen Grenze zu Tansania, habe sich durch diese Maßnahmen auch das Vorgehen der Schlepperbanden geändert. Diese wählten jetzt Routen durch unwegsames Gelände, etwa durch den Nyika Nationalpark, welcher sich auf 2600 Metern Höhe befindet und für den Menschen gefährliche Tiere beherbergt.

Die UN-Flüchtlinshilfe in Malawi bildet derweil neu rekrutierte Beamte der Einwanderungsbehörden speziell dazu aus, Menschen mit berechtigtem Anspruch auf Asyl, Zugang zu diesem zu verschaffen. In Malawi handele es sich häufig um das Phänomen der sogenannten „mixed migration“, bei der politische Flüchtlinge oft dieselben Routen nehmen, wie sie von den Syndikaten genutzt werden, um Migranten zu schmuggeln, deren Fälle eigentlich unter die lokale Einwanderunsgesetzgebung fallen.

Mehr Informationen im Beitrag (auf Englisch) des Informationsdienstes des UN-Büros für die Koordination von humanitären Angelegenheiten (OCHA).

 

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Luca Vogel, 21 years, lives and works in Berlin. He has been contributing to eufrika.org since 2012.

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