Nnimmo Bassey zum UN-Gipfel: „Wir dürfen den Klimaschutz nicht den Regierungen überlassen!“

Saturday 27th, September 2014 / 08:00 Written by

 

Nnimmo Bassey is being interviewed

Anlässlich des UN-Klimagipfels in New York fanden am 21. September weltweit die größten dezentralen Proteste von Umweltaktivisten in der Geschichte statt. Im Vorfeld hatten zahlreiche Organisationen und Prominente dazu aufgerufen, den Entscheidungsträgern der Welt Druck zu machen. Unter ihnen auch Nnimmo Bassey, der nigerianischer Umweltaktivist und Träger des alternativen Nobelpreises, im Interview mit Kontext TV (siehe unten).

Bassey organisiert in Nigeria Widerstand gegen die Ölbohrungen und war international für Friends of the Earth tätig. Im Interview nennt er Klimagipfel wie den in New York Zeitverschwendung sofern sie, wie in der Vergangenheit, nicht zu echtem Handeln führen.

“Die Lösung, der Funke der Hoffnung liegt bei den Menschen.”

Daher sei es an der Zeit für weltweite Proteste an den Tatorten der Klimasünden, so Bassey. Und tatsächlich fanden vergangenen Dienstag laut Veranstaltern Proteste in 162 Ländern und an über 2.600 Orten statt.

Ihre Befürchtungen scheinen nicht unbegründet gewesen zu sein: Zentrale Figuren wie die Vertreter der USA oder China enttäuschten, wie die taz berichtet. Und unter den Beschlüssen finden sich laut Lili Fuhr von der Heinrich-Böll-Stiftung „große Irrwege”. Wenn Umweltorgaisationen wie Greenpeace sich dennoch zufrieden mit den jüngsten Entwicklungen zeigen, dann weil sie der Meinung sind, die erlahmte Politik werde erstmals „überholt“ von der Zivilgesellschaft.

Auch aus der Wissenschaft kommt vermehrt Hoffnung auf zivilgesellschaftliche Akteure: Im Vorfeld der Klimakonferenz veröffentlichte der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung“ (WBGU) ein Sondergutachten mit dem Titel „Klimaschutz als Weltbürgerbewegung“.

Auch hier wird konstatiert, die internationalen Klimaverhandlungen hätten bislang weder einen Durchbruch geschafft noch seien ehrgeizige Vereinbarungen zum Klimaschutz auf globaler Ebene in Sicht. Um das zu ändern wird eine Doppelstrategie vorgeschlagen:

“Zum einen soll das geplante Pariser Abkommen den weltweiten Ausstieg aus den fossilen CO2-Emissionen festschreiben und somit als Wegweiser dienen. Zum anderen sollten zivilgesellschaftliche Initiativen gefördert werden, durch die sich Akteure Verantwortung aneignen und eigenständig Beiträge zu einer klimaverträglichen Lebens- und Wirtschaftsweise leisten.”

Neben Unternehmensinitiativen und der Förderung bewussten Konsums schlägt der WBGU auch „erleichterte Teilhabe von Nichtregierungsorganisationen am Verhandlungsprozess“ vor – etwa durch ein Recht auf Information und sogar weitere Klagerechte.

In Nigeria klagte Nnimo Bassey bereits erfolgreich gegen Shell. Was würde es bei einer Einbindung in die Klimaverhandlungen in Paris 2015 seiner Meinung nach einzufordern gelten? Im Interview sagt er:

„Man sollte die Konzepte und Forderungen aufgreifen, die 2010 beim alternativen Klimagipfel in Cochabamba in Bolivien erarbeitet wurden. Man sollte die Deklaration der Rechte von Mutter Erde mit einbeziehen, die Rückzahlung der Klimaschulden an den Globalen Süden fordern und zur Kürzung der Militärausgaben aufrufen.“

Interview mit Nnimo Bassey im Vorfeld zu den Protesten um den Klimagipfel in New York:

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