Substistenzwirtschaft ist wie hier an der Grenze zu Ruanda bis heute weit verbreitet in Tansania - Copyright: eufrika.org
Im zweiten Jahr der großen Dekolonisationswelle, am 9. Dezember 1961, erlangte das damalige Tanganyika die formale Unabhängigkeit im Verbund des Commonwealth of Nations von der britischen Kolonialmacht. Zunächst von vielen westlichen Regierungen als Musterbeispiel eigenständiger Entwicklung gepriesen, sah sich Tansania in der Folge wie viele der jungen Nationalstaaten mit den harten Realitäten einer zunehmend globalisierten Weltwirtschaft konfrontiert. Bestrebt, sich dem Einfluss der bipolaren Ordnung des Kalten Kriegs zu entziehen, wurden Autarkie und Unabhängigkeit zu Schlagworten der post-kolonialen Ära. Der tansanische Sozialismus sollte zum Vorbild für viele junge Staatsführer werden, die Ideen von Uhuru und Ujamaa gingen in den weltweiten Diskurs ein. In keinem anderen Bereich war diese neue politische Philosophie so tiefgreifend wie in der Landwirtschaft.
In dieser Reihe stellen wir die 50jährige Erfahrung einer Unabhängigkeit am Beispiel des tansanischen Agrarsektors dar. Von der Landnahme während der Kolonialzeit, der politischen Neuausrichtung ab 1961 und den radikalen Veränderungen der Ujamaa-Ära, bis zur allmählichen Liberalisierung ab Mitte der 1980er.
Das Thema steigende Nahrungsmittelpreise beschäftigt nunmehr verstärkt auch die Politik in Europa. Die FAZ und der Tagesspiegel haben sich in zwei ausführlichen Artikeln mit dem Thema, seinen Ursachen und den Möglichkeiten und Grenzen der Politik auseinandergesetzt.
Dabei hatte die Gründung der Nile Basin Initiative 1999 der internationalen Gemeinschaft noch Hoffnung gegeben, dass die Anrainerstaaten eine friedliche Lösung für den jahrzehntealten Konflikt um die Rechte am Nil finden würden. Es geht um den Bau von Staudämmen und Ablaufmengen, um historische Rechte und nationalstaatliche Ansprüche, um die gerechte Wassernutzung für Stromgewinnung und Landwirtschaft – von Kigali bis Kairo.
Tatsächlich wurde am 14. Mai 2010, nach zehn Jahren Verhandlungszeit, das Agreement on the Nile River Basin CooperativeFramework zur Unterschrift freigegeben. Alle zehn Nilanrainer hatten seither ein Jahr lang Zeit zu unterschreiben. Doch der Sudan und Ägypten weigern sich bislang, das neue Abkommen zu ratifizieren.
Was bei der Aushandlung des Vertragswerks noch ferne Zukunft war, könnte nun für die entscheidende Kehrtwende in der trockenen Diplomatie am Nil sorgen. Der “arabische Frühling” lässt erste Knospen eines Klimas für offene Verhandlungen gedeihen.
Um Investoren anzulocken, die die heimische Wirtschaft in Schwung bringen sollen, bietet die äthiopische Regierung riesige Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung an. Die Pacht für dieses Land ist so niedrig, dass mittlerweile schon Investoren aus 36 Ländern sich dort Ackerland gesichert haben, um dort Kulturpflanzen für den Export anzubauen, berichtete die britische Tageszeitung The Guardian.
In einem Videobeitrag zeigt John Vidal, Umweltredakteur des Guardian, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die lokale Bevölkerung eines Landes hat, in dem noch immer viele Menschen an Hunger leiden.
Umweltaktivist Nnimmo Bassey (links) mit Eufrika-Redakteur Marius Münstermann
Bei der Demonstration “Wir haben es satt” am 22. Januar 2011 in Berlin ging es den meisten Demonstranten um eine gesunde Ernährung, Nahrungsmittel ohne Giftstoffe und eine humane Behandlung von Nutzvieh. Für Afrika hat die Agrarpolitik Europas jedoch verheerende Auswirkungen. Eufrika.org sprach mit dem nigerianischen Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten Nnimmo Bassey.
Text: Anika Stegeman
Mitarbeit: Marius Münsterman und Leontine Buss
„Wenn ich sage, dass Afrika ein Opfer in dieser ganzen Sache ist, dann wäre ich nicht weit von der Wahrheit entfernt. Das wäre die Wahrheit.“
Im März bringt der Verlag Kremayr & Scheriau aus Wien Helmut Müllers politikwissenschaftliches Werk zum neuen Wettlauf um Afrikas Schätze heraus. “China, die USA und Europa pachten landwirtschaftliche Flächen und legen die Hand auf Rohstoffquellen. Wer heute vor dem Elend fliehen will, steht spätestens an Europas Grenzen vor verschlossenen Toren. Doch durch den Export ihrer hochsubventionierten Produkte zerstört die EU gleichzeitig die Lebensgrundlage der afrikanischen Kleinbauern.” (K&S)
Helmut L. Müller; der in München bei Kurt Sontheimer promovierte und heute Außenpolitik-Redakteur der “Salzburger Nachrichten” ist, wurde für seine entwicklungspolitische Berichterstattung mehrfach ausgezeichnet.
Politiker afrikanischer Staaten und der Geberländer, Vertreter afrikanischer Landwirte und NGOs, sowie Delegierte von Institutionen des privaten und öffentlichen Sektors haben in Accra (Ghana) einen Aktionsplan für die Bekämpfung der Nahrungsmittelknappheit in Afrika vorgelegt. Der Plan ist das Ergebnis des “African green revolution forum” vom 2. bis 4. September 2010 in Accra. Organisiert wurde das Forum von der “Alliance for a Green Revolution in Africa” und geht zurück auf die Initiative des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan, der auch die Abschlussrede hielt. Der Plan soll konkrtete Schritte für eine nachhaltige und umweltfreundliche Entwicklung der afrikanischen Landwirtschaft – speziell der Kleinbauern- beinhalten. (Zum Artikel bei scidev.net)